Short Call

Der Verkauf einer Call-Option wird als Short Call bezeichnet und ist eine der vier Basis-Optionsstrategien. Ein Short Call kann als Naked Call zu spekulativen Zwecken eingesetzt werden, oder in Kombination mit einer Long-Position im Underlying als Covered Call.

In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Short Call ist, wie dieser eingesetzt werden kann und worauf es dabei zu achten gilt.

Definition Short Call

Der Begriff „Short Call“ bezeichnet den Verkauf einer Call-Option (Kaufoption). Der Optionsverkäufer erhält vom Optionskäufer eine Prämie und verpflichtet sich im Gegenzug dazu, dem Optionskäufer das Underlying zu einem bestimmten Datum (Option europäischer Art) bzw. bis zu einem bestimmten Datum (Option amerikanischer Art) zu einem bestimmten Preis (Basispreis) zu verkaufen, falls der Optionskäufer sein Recht zum Kauf des Underlyings ausübt.

GuV Diagramm eines Short Calls

Wie Sie im GuV Diagramm erkennen können, hat der Short Call ein begrenztes Gewinnpotenzial (Optionsprämie) bei einem gleichzeitig (theoretisch) unbegrenztem Verlustpotenzial.

Der Short Call erzielt einen Gewinn, falls das Underlying nicht über den Basispreis der Option hinaus ansteigt

Einsatzmöglichkeiten

Wird ein Short Call aus rein spekulativen Zwecken eingesetzt und nicht mit anderen Optionen oder Positionen im Underlying kombiniert, so spricht man von einem „Naked Call“. Dieser ist eine Art Wette darauf, dass das Underlying am Verfallstag nicht über dem Basispreis der Option notiert.

Verbreitet ist auch der sogenannte „Covered Call“ (gedeckte Call-Option). Dabei hält der Optionsverkäufer eine Long Position des Underlyngs, was dazu führt, dass kein unbegrenztes Verlustpotenzial mehr vorhanden ist. Notiert das Underlying am Verfallstag in The Money, so wird lediglich die Long Position im Underlying liquidiert.

Worauf ist beim Handel eines Short Calls zu achten?

Der Short Call hat ein nicht definiertes Verlustpotenzial, weshalb ein striktes Risiko- und Money-Management notwendig ist. Das unbegrenzte Verlustpotenzial kann allenfalls durch den Kauf einer weitern Call-Option mit höherem Basispreis begrenzt werden. Der Maximalgewinn ist auf die eingenommene Optionsprämie beschränkt.

Maximaler und realisierter Verlust

Der Maximalverlust eines Short Calls kann nicht berechnet werden, da der Preis des Underlyings theoretisch unendlich weit ansteigen kann. Notiert das Underlying zum Verfallstermin bzw. zum Zeitpunkt der Ausübung der Option im Geld, kann der tatsächliche Verlust berechnet werden, indem man die Differenz zwischen dem Kurs des Underlyings und dem Basispreis der Option berechnet und davon die eingenommene Optionsprämie (Credit) subtrahiert.

Verlust = (Kurs Underlying – Basispreis Option) – Credit

Nach dem Eröffnen einer Short Call Position kann die verkaufte Option jederzeit wieder zurückgekauft werden, um einen entstehenden Verlust frühzeitig zu begrenzen. Das unbegrenzte Verlustpotenzial kann außerdem beschränkt werden, indem bei Eröffnung des Trades gleichzeitig eine Call-Option mit einem höheren Basispreis gekauft wird. (Somit entsteht ein vertikaler Call Spread bzw. ein Bear Call Spread.)

Maximaler Gewinn

Der maximal mögliche Gewinn eines Short Calls ist auf den Betrag der bei Trade-Eröffnung eingenommenen Optionsprämie beschränkt. Verfällt die Option Out Of The Money oder At The Money, kann der Maximalgewinn realisiert werden. Optionshändler kaufen jedoch häufig auch bei einer positiven Entwicklung des Trades die Option vor dem Verfallstermin zurück, um einen Gewinn zu realisieren.

Break Even Point

Der Basispreis der Option ist das Kursniveau, ab dem eine Option im Geld oder aus dem Geld ist und dementsprechend das Kursniveau, ab dem ein Verlust oder ein Gewinn entsteht (am Verfallstag). Da mit dem Verkauf einer Option eine Prämie eingenommen wird, dient diese als eine Art Puffer. Der Break Even Point eines Short Calls lässt sich also berechnen, indem der Optionspreis auf den Basispreis addiert wird.

Break Even Point = Basispreis Call + Credit

Wahl des Basispreises

Je weiter der Basispreis des Short Calls bei Trade-Eröffnung vom aktuellen Marktpreis entfernt liegt, desto geringer ist das Delta der Option und desto wahrscheinlicher ist es, dass die verkaufte Option wertlos verfällt und ein Gewinn entsteht.

Bei einer weit aus dem Geld liegenden Option ist allerdings auch der Optionspreis bzw. die Optionsprämie deutlich geringer als bei einer Option, die näher am Geld liegt.

Markteinschätzung

Der Short Call ist eine bärische bis neutrale Strategie. Es wird darauf spekuliert, dass das Underlying am Verfallstag unterhalb des Basispreises der verkauften Option notiert. Da die Strategie in der Regel mit Out Of The Money Optionen umgesetzt wird, kann auch ein Gewinn erzielt werden, wenn sich das Unerlying seitwärts oder leicht aufwärts bewegt.

Implizite Volatilität

Je höher die implizite Volatilität (IV) einer Option ist, desto höher ist der Optionspreis. Der Verkauf von Call Optionen macht daher besonders nach einem Anstieg der IV Sinn. Nähert sich die IV wieder ihrem Mittelwert an, so profitiert der Short Call davon.

Restlaufzeit und Zeitwertverfall

Wie alle Stillhalter-Strategien profitiert auch der Short Call vom Zeitwertverlust der Optionen. Je länger die Restlaufzeit einer Option ist, desto höher ist der Optionspreis. Bei Optionen mit einer sehr langen Restlaufzeit wirkt sich allerdings der Zeitwertverlust weniger stark aus als bei Optionen mit einer kürzeren Restlaufzeit.

Optionsausübung am Verfallstermin

Verfällt der Short Call im Geld, so wird die Option ausgeübt. Wenn Sie einen ITM Short Call über den Verfallstermin halten, bedeutet das, dass sie das Underlying Short ins Depot gebucht bekommen, bzw. falls sie eine Long-Position des Underlyings halten (Covered Call) die Position glattgestellt wird.