Long Put

Der Long Put ist insbesondere unter Investoren und Privatanlegern eine der bekanntesten Optionsstrategien und kommt hauptsächlich zur Absicherung von Aktienpositionen oder Aktienportfolios zum Einsatz. Darüber hinaus kann mit dem Long Put auf fallende Kurse eines Basiswertes (Underlying) und/oder den Anstieg der impliziten Volatilität spekuliert werden.

In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Long Put ist, welche Einsatzmöglichkeiten dieser bietet und worauf Sie beim Handel achten sollten.

Definition Long Put

Der Begriff „Long Put“ bezeichnet den Kauf einer Put-Option (Verkaufsoption). Der Optionskäufer erwirbt das Recht, zu einem bestimmten Datum (Option europäischer Art) bzw. bis zu einem bestimmten Datum (Option amerikanischer Art) einen Basiswert zu einem bestimmten Preis (Basispreis) zu verkaufen.

Der Optionskäufer (Long Put Position) entscheidet dabei einseitig, ob er das Recht wahrnehmen und den Basiswert verkaufen möchte oder nicht.

GuV Diagramm eines Long Puts

Das Gewinn- und Verlust-Diagramm zeigt den möglichen Gewinn/Verlust am Verfallstag, in Abhängigkeit des Kurses des Underlyings. Der maximale Verlust entsteht, wenn das Underlying über dem Basispreis der Option notiert. Je tiefer der Kurs des Underlyings fällt, desto höher ist der Gewinn.

Long Put auf den DAX. Basispreis = 13 300 Punkte, Optionspreis = 103.50 EUR * 5 = 517,50 EUR, Break Even Point = 13 300 – 103,50 = 13 196.50

Einsatzmöglichkeiten

Put Optionen werden häufig von langfristig orientierten Aktienhändlern und -investoren gekauft, um bei einem erwarteten Kursrückgang die möglichen Verluste zu reduzieren. Dabei stehen Optionen auf einzelne Aktien zur Verfügung, wie auch Indexoptionen zur Absicherung eines gesamten Aktienportfolios.

Darüber hinaus ist der Einsatz von Long Puts an den Rohstoff- bzw. Futures-Märkten verbreitet. Einerseits zur Absicherung gegen fallende Preise (bspw. Rohstoff-Produzenten) oder gegen Kursschwankungen von Währungen, andererseits zu spekulativen Zwecken.

Als privater Anleger oder Trader können Sie den Long Put also zu Absicherung von Aktienpositionen oder zur Spekulation auf fallende Kurse einer Aktie, eines ETFs, eines Index oder eines Futures verwenden.

Worauf ist beim Handel eines Long Puts zu achten?

Der Long Put zur Absicherung einer Aktien-Position oder eines Portfolios wird auch als „Protective Put“ oder „Married Put“ bezeichnet und wird in einem weiteren Artikel besprochen. Die nachfolgenden Punkte beziehen sich daher hauptsächlich auf den spekulativen Einsatz eines Long Put bzw. beschreiben die Entwicklung der Put-Option ohne Berücksichtigung des Underlyings, falls es sich um einen als Absicherung gekauften Put handelt.

Maximaler Verlust

Der maximale Verlust einer gekauften Option entsteht, wenn die Option am Verfallstag Out Of The Money ist. D.h. die gekaufte Put-Option verfällt wertlos, falls das Underlying über dem Basispreis der Option notiert. Die anfangs gezahlte Optionsprämie definiert dabei den maximal möglichen Verlust.

Maximaler und realisierter Gewinn

Je tiefer der Preis des Underlyings am Verfallstag ist, desto höher ist der Gewinn des Long Puts. Da ein Rohstoff, eine Währung, ein Aktienindex, etc. kaum bis auf Null fallen kann, ist der maximale Gewinn quasi nicht berechenbar; theoretisch beträgt dieser: Basispreis des Puts – 0 – Debit.

Der tatsächliche Gewinn lässt sich berechnen, indem man die Differenz zwischen dem Basispreis der gekauften Put-Option und dem Kurs des Underlyings am Verfallstag ermittelt und davon die gezahlte Optionsprämie (Debit) abzieht.

Gewinn = (Basispreis Option – Kurs Underlying) * Multiplikator – Debit

Break Even Point

Damit mit dem Long Put ein Gewinn entsteht, muss das Underlying so tief fallen, dass der Gewinn die gezahlte Optionsprämie kompensiert. Wenn Sie bspw. für 1000 USD eine Put-Option auf den Rohöl (WTI) Future mit einem Basispreis von 60 USD gekauft haben, muss der Rohölpreis am Verfallstag unter 59 USD notieren, damit ein Gewinn entsteht. (Der Multiplikator der Rohöl-Optionen beträgt 1000)

Break Even Point = Basispreis Put – Debit

Markteinschätzung

Der Long Put ist eine bärische Strategie und erzielt einen Gewinn, wenn der Kurs des Underlyings während der Restlaufzeit der Option fällt. Neben der korrekten Einschätzung der Kursentwicklung ist daher ein gutes Timing notwendig und das Underlying muss mindestens bis zum Break Even Point fallen, damit am Verfallstag kein Verlust entsteht.

Während der Laufzeit der Option kann auch ein Gewinn entstehen, wenn die Option noch aus dem Geld ist, sich der Kurs des Underlyings aber in die gewünschte Richtung bewegt und/oder die implizite Volatilität ansteigt.

Implizite Volatilität

Der Preis einer gekauften Option steigt, wenn die implizite Volatilität (IV) steigt, weshalb auch der Long Put von einer steigenden IV profitiert. An den Aktienmärkten steigt die implizite Volatilität, wenn es zu Kursrückgängen kommt, was Sie u.a. am Volatilitäts-Index VIX erkennen können.

Der VIX zeigt die vom Markt erwartete Schwankungsbreite (implizite Volatilität) des S&P 500 Index und steigt an, wenn der S&P 500 fällt

An den Rohstoffmärkten kann die IV allerdings sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Kursen steigen oder fallen. Die Einschätzung der Entwicklung der Volatilität, welche für einen erfolgreichen Long Put notwendig ist, gestaltet sich hier also etwas schwieriger und erfordert genauere Analysen.

Restlaufzeit und Zeitwertverfall

Wie bei allen gekauften Optionen, haben Sie als Optionskäufer gegen den Zeitwertverlust der Option zu kämpfen. Wie hoch dieser pro Tag ausfällt, können Sie an der Optionskennzahl Theta ablesen.

Wenn Sie einen Long Put handeln, muss also der Zeitwertverlust durch die Kursentwicklung des Underlyings und/oder durch einen Anstieg der impliziten Volatilität überkompensiert werden.

Optionsausübung am Verfallstermin

Sollten Sie eine gekaufte Put-Option über den Verfallstermin halten, so kommt es automatisch zu einer Ausübung der Option, falls diese am Verfallstermin im Geld liegt und falls nicht bar abgerechnet wird, sondern es sich um eine Option mit der Abwicklungsmethode „physische Lieferung“ handelt. Liegt die Option Out Of The Money, so verfällt sie wertlos.

Welche Abwicklungsmethode angewandt wird, können Sie in den Kontraktdetails der Option nachlesen (Doppelklick auf eine Option in der TWS). Sollten Sie das Risiko einer physischen Lieferung des Underlyings ausschließen wollen, so müssen Sie den Trade vor dem Verfallstermin schließen.