Long Call

Der Long Call ist eine der Basisstrategien im Optionshandel und wird von Privatanlegern und Tradern hauptsächlich genutzt, um auf steigende Preise einer Aktie, eines Index, einer Währung, eines Rohstoffs etc. zu spekulieren. Der Vorteil besteht in einem begrenzten Maximalverlust, bei gleichzeitig unbegrenztem Gewinnpotenzial. In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Long Call ist, und worauf es beim Handel desselben zu achten gilt.

Definition Long Call

Der Begriff „Long Call“ bezeichnet den Kauf einer Call-Option (Kaufoption). Der Optionskäufer erwirbt das Recht, zu einem bestimmten Datum (Option europäischer Art) bzw. bis zu einem bestimmten Datum (Option amerikanischer Art) einen Basiswert zu einem bestimmten Preis (Basispreis) zu kaufen.

Der Optionskäufer (Long Call Position) entscheidet dabei einseitig, ob er das Recht wahrnehmen und den Basiswert kaufen möchte oder nicht.

GuV Diagramm eines Long Calls

Im Gewinn- und Verlust-Diagramm erkennen Sie, dass der Long Call unbegrenztes Gewinnpotenzial bei einem gleichzeitig auf die Optionsprämie limitierten Maximalverlust bietet. Wie der Gewinn, der Verlust und der Break Even Point berechnet werden, erfahren Sie weiter unten.

GuV Diagramm eines Long Calls auf die Apple-Aktie. Basispreis = 330 USD, Optionspreis = 6.60 USD * 100, Break Even Point = 336.60 USD.

Einsatzmöglichkeiten

Optionen sind im ursprünglichen Sinne Instrumente zur Absicherung gegen Kursschwankungen/Kursrisiken. D.h. kommerzielle Marktteilnehmer kaufen Call-Optionen bspw., um sich gegen stark steigende Rohstoffpreise oder Währungsrisiken abzusichern. An den Aktienmärkten besteht für Investoren in der Regel kein Risiko in steigenden Kursen, weshalb hier vor allem Put-Optionen als Absicherungsinstrumente zum Schutz vor fallenden Kursen verwendet werden.

Unter privaten wie auch institutionellen Händlern mit einem spekulativen Handelsansatz, wird der Long Call häufig verwendet, um auf steigende Kurse des Basiswertes (Underlyings) zu setzen.

Worauf ist beim Handel eines Long Calls zu achten?

Der Kauf von Call-Optionen zu spekulativen Zwecken bietet den Vorteil, dass mit begrenztem Kapital und Risiko ein hoher Gewinn entstehen kann, wodurch eine Hebelwirkung des eingesetzten Kapitals entsteht. Allerdings ist dafür eine starke Bewegung des Underlyings notwendig. Bleibt diese aus, so leidet der Long Call unter dem Zeitwertverlust.

Maximaler Verlust

Der maximal mögliche Verlust eines Long Calls ist auf die gezahlte Optionsprämie beschränkt. Dieser kommt zu Stande, wenn die Option am Verfallstag Out Of The Money ist (das Underlying notiert unterhalb des Basispreises). Nach dem Eröffnen einer Long Call Position kann die gekaufte Option jederzeit wieder verkauft werden. So können Sie bspw. den Trade frühzeitig schließen, falls dieser sich nicht wie gewünscht entwickelt und somit den Verlust begrenzen.

Maximaler und realisierter Gewinn

Der maximal mögliche Gewinn eines Long Calls kann nicht berechnet werden, da der Kurs des Underlyings theoretisch unendlich weit anstiegen kann.

Der tatsächliche Gewinn lässt sich berechnen, indem man die Differenz zwischen dem Kurs des Underlyings am Verfallstag und dem Basispreis der Option ermittelt und davon die gezahlte Optionsprämie (Debit) abzieht.

Gewinn = (Kurs Underlying – Basispreis Option) * Multiplikator – Debit

Break Even Point

Da für den Kauf einer Call-Option zunächst eine Summe aufgewendet werden muss, muss das Underlying mindestens um diesen Betrag ansteigen, um den Break Even Point zu erreichen. Wenn Sie bspw. für einen 110er Call auf eine Aktie 200 EUR bezahlen, muss die Aktie am Verfallstag über 112 EUR notieren, damit ein Gewinn entsteht. (Der Multiplikator für Aktienoptionen beträgt 100)

Break Even Point = Basispreis Call + Debit

Wahl des Basispreises

Die Wahl des Basispreises (Strike) spielt eine wichtige Rolle für den Erfolg eines Long Calls. Je weiter der Basispreis Out Of The Money ist, desto geringer ist das Delta und desto günstiger ist die Option. Je weiter der Basispreis In The Money ist, desto höher ist das Delta und desto teurer ist die Option.

Der mögliche Hebel eines erfolgreichen Long Calls ist also bei einer OTM Option größer. Jedoch ist die Erfolgswahrscheinlichkeit geringer, da das Underlying einen starken Kursanstieg benötigt, damit ein Gewinn entsteht.

Je tiefer der Long Call ITM ist, desto geringer ist der Hebel. Allerdings leidet die Option weniger unter dem Zeitwertverlust und der Break Even Point liegt deutlich näher am aktuellen Kurs des Underlyings.

Markteinschätzung

Der Long Call ist eine bullische Strategie. Neben der Einschätzung der Marktrichtung ist allerdings auch ein sehr gutes Timing notwendig, um einen Gewinn zu erzielen. Insbesondere bei Out Of The Money Optionen ist eine, je nach gewähltem Basispreis, moderate bis sehr starke Bewegung notwendig. Außerdem muss diese innerhalb der Restlaufzeit der Option auftreten.

Implizite Volatilität

Neben der Kursentwicklung des Underlyings, hat die implizite Volatilität einen großen Einfluss auf den Optionspreis. Der Long Call profitiert von einer steigenden impliziten Volatilität und hat daher höhere Erfolgschancen, wenn er bei geringer IV bzw. in Erwartung steigender IV gehandelt wird.

Restlaufzeit und Zeitwertverfall

Auch die Wahl des Verfallstermins bzw. der Restlaufzeit haben Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg einer Optionsstrategie. Da der Zeitwertverlust von Optionen bis zum Verfallstermin exponentiell zunimmt, hat man als Käufer von OTM Optionen insbesondere in den letzten 30 Tagen mit einem hohen Wertverlust pro Tag zu rechnen.

Durch die Wahl einer längeren Restlaufzeit kann dem entgegengewirkt werden, was jedoch den Optionspreis erhöht. Den geringsten Zeitwertverlust erleiden gekaufte Call-Optionen also, wenn sie tief im Geld sind und eine lange Restlaufzeit besitzen.

Optionsausübung am Verfallstermin

Als Käufer einer Option, können Sie bei Optionen amerikanischer Art (bspw. Aktien- und Futures-Optionen) Ihr Recht zur Ausübung der Option während der gesamten Laufzeit der Option wahrnehmen. Sollten Sie die Option über den Verfallstermin halten, verfällt diese entweder wertlos, oder es erfolgt automatisch eine Ausübung, falls die Option im Geld ist.

Im Falle eines Long Calls bekommen Sie also das Underlying angedient (ins Depot gebucht) falls der Kurs des Underlyings über dem Basispreis der Option liegt, und falls es sich um eine Option mit der Abwicklungsmethode „physische Lieferung“ handelt.

Handelt es sich um eine Option die bar abgerechnet wird (Abwicklungsmethode: „bar“, bspw. bei Index-Optionen) wird der Gewinn verrechnet und auf Ihr Depot gebucht. Welche Abwicklungsmethode angewandt wird, können Sie in den Kontraktdetails der Option nachlesen (Doppelklick auf eine Option in der TWS).

Sollten Sie das Risiko einer physischen Lieferung des Underlyings ausschließen wollen, so müssen Sie den Trade vor dem Verfallstermin schließen.