Implizite Volatilität

Optionen sind derivative Finanzinstrumente, d.h. deren Preisentwicklung ist von einem anderen Instrument (Basiswert) abhängig. Neben der Kursentwicklung des Basiswertes hat jedoch noch ein weiterer Faktor einen sehr großen Einfluss auf den Optionspreis: die implizite Volatilität (Englisch: implied volatility) – kurz: IV. In diesem Artikel erfahren Sie, was die implizite Volatilität ist und wie Sie diese in der Trader Workstation (TWS) analysieren können.

Was ist die implizite Volatilität?

Die implizite Volatilität (IV) drückt die erwartete Schwankungsbreite eines Marktes für einen bestimmten Zeitraum aus und wird aus den Optionspreisen des Underlyings berechnet. Erwarten Marktteilnehmer eine hohe Schwankungsbreite, so steigen die Prämien der Optionen, was in einem Anstieg der IV resultiert.

Unterschied zur historischen Volatilität

Die implizite Volatilität (IV) darf nicht mit der historischen Volatilität (HV) verwechselt werden. Während die IV die erwartete Schwankungsbreite der Zukunft ausdrückt, handelt es sich bei der HV um die tatsächliche in der Vergangenheit gemessene Schwankungsbreite eines Marktes.

Die implizite Volatilität einzelner Optionen

Eine der Prämissen bzw. der Fehlannahmen des Black-Scholes-Modells war, dass die impliziten Volatilitäten von Optionen eines Underlyings bei unterschiedlichen Basispreisen gleich sind. Nach dem Börsen-Crash von 1987 begannen Marktteilnehmer jedoch, für Absicherungen gegen fallende Preise (Put-Optionen) höhere Beträge zu zahlen als für Absicherungen gegen steigende Preise (Call-Optionen).

Da die implizite Volatilität einer Option mit Hilfe eines Optionspreismodells wie dem Black-Scholes-Modell aus den tatsächlich am Markt zu Stande gekommenen Optionspreisen berechnet wird, führt dies dazu, dass die impliziten Volatilitäten nicht gleichförmig verteilt sind, sondern dass es je nach Basispreis zu unterschiedlichen IVs kommen kann. Dieses Phänomen wird als „Volatility Skew“ (Volatilitäts-Schiefe) bezeichnet.

Volatilitätsindizes

Wenn von der IV eines Marktes gesprochen wird, ist damit in der Regel nicht diejenige einer einzelnen Option gemeint, sondern eine Art Durchschnittswert, welcher aus den einzelnen impliziten Volatilitäten der verschiedenen Basispreisen berechnet werden.

Dieser Durchschnittswert wird mit sog. Volatilitätsindizes abgebildet. Der bekannteste Volatilitätsindex ist der CBOE Volatility Index – kurz: VIX – und wird aus den Optionspreisen der S&P 500 Indexoptionen mit einer Laufzeit zwischen 23 und 37 Tagen berechnet.

Für den DAX steht ebenfalls ein Volatilitätsindex zur Verfügung, der VDAX-NEW. Außerdem werden zahlreiche weitere Volatilitätsindizes für verschiedene Märkte veröffentlicht.

Darüber hinaus lässt sich für jedes Underlying, auf das Optionen handelbar sind, ein Volatilitätsindex berechnen. Für Futures-Optionen gibt es hierfür bspw. Anbieter wie IVolatility oder diverse Anbieter von Options-Softwares.

Implizite Volatilität in der TWS

Bei Captrader haben Sie in der Trader Workstation (TWS) die Möglichkeit, die IV für ein Underlying direkt im Chart anzuzeigen zu lassen. (Rechtsklick à Chart-Parameter à Optionsimplizierte Volatilität)

Chart der Microsoft-Aktie mit impliziter Volatilität

Außerdem besteht die Möglichkeit, die IV zu analysieren, indem Sie im Menü auf „Analysetools à Optionsanalyse à Volatilität im Zeitverlauf à implizierte Volatilität, nach Fälligkeit“ klicken, um den Verlauf der IV für ein beliebiges Underlying zu analysieren.

Analyse der impliziten Volatilität des Gold-Futures in der Trader Woorkstation

Die Entwicklung der IV analysieren

Da die implizite Volatilität einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf den Optionspreis ist, ist es wichtig diese zu analysieren und zu einer Einschätzung der Entwicklung der IV zu gelangen. Da eine zeitweise auftretende sehr hohe oder sehr geringe Volatilität dazu neigt, zu ihrem Mittelwert zurückzukehren, kaufen Optionshändler in einem Umfeld niedriger Volatilität gerne Optionen bzw. verkaufen Optionen vorwiegend in einem Umfeld hoher IV.

Handeln Sie komplexere Optionsstrategien, die aus mehreren Legs bestehen, ist es ebenso notwendig zu wissen, wie die Strategie auf Veränderungen der IV reagiert bzw. in welchem IV-Umfeld mit der Strategie die besten Ergebnisse zu erwarten sind.

Optionshändler vergleichen häufig die aktuelle IV mit Werten aus der Vergangenheit, um so einschätzen zu können, wie sich die implizite Volatilität mittelfristig entwickeln wird. Der sog. IV Rank und das IV Percentile sind dabei geeignete Hilfsmitte zur Analyse.

FAQ

Als implizite Volatilität (implied volatility) – kurz: IV – bezeichnet man die erwartete Schwankungsbreite eines Marktes. Die IV wird aus den Optionspreisen berechnet.

Der innere Wert einer Option enstpricht der Differenz zwischen dem Basispreis der Option und dem aktuellen Kurs des Underlyings und drückt aus, wie viel die Option bei einer sofortigen Ausübung wert wäre.

Der Zeitwert einer Option entspricht der Differenz zwischen dem Optionspreis und dem Basispreis inneren Wert einer Option. Bis zum Verfallstermin der Option fällt der Zeitwert auf null.

Als Optionsprämie bezeichnet man den Preis einer Option. Diese wird vom Optionskäufer an den Optionsverkäufer gezahlt. Der Begriff “Prämie” bringt zum Ausdruck, dass Optionen eine Art Versicherungscharakter aufweisen.

Optionen sind Terminkontrakte, genauer gesagt bedingte Terminkontrakte. Das bedeutet, nur ein Kontrahent hat eine Erfüllungspflicht, während der andere ein Wahlrecht besitzt. Es gibt Kauf-Optionen – sog. Call-Optionen (kurz: Calls) – sowie Verkaufsoptionen – sog. Put-Optionen (kurz: Puts).