Während die Anleger hierzulande im DAX auch in der kommenden Woche womöglich erst mal vergeblich auf den erhofften Jahresendendspurt warten müssen, könnte an den Börsenplätzen jenseits des Atlantiks die jüngst ins Stocken geratene Kursrallye wieder Fahrt aufnehmen.

In der Eurozone ist es die unsichere Gemengelage, bestehend aus Coronavirus- und Brexit-Sorgen, welche Markteilnehmer wieder hat vorsichtiger werden lassen. Das nach wie vor hochdynamische Infektionsgeschehen rund um COVID-19 zwingt Bund und Länder zu einer Verschärfung der Restriktionen. Ein „harter Lockdown“ könnte bereits zur Wochenmitte und nicht wie geplant erst um Weihnachten herum in der Bundesrepublik Realität werden.

Auch ein Brexit-Deal zwischen London und Brüssel ist alles andere als in trockenen Tüchern. Damit droht ein Austritt aus der EU ohne Handelsabkommen.

Der breiter gefasste US-Index S&P 500 hat auf Wochensicht rund ein Prozent seines Wertes abgegeben. In den Vereinigten Staaten grassiert das Coronavirus ebenfalls nach wie vor ungebremst. Vor diesem Hintergrund und angesichts der daraus unmittelbar resultierenden Schwäche des Arbeitsmarktes hoffen die US-Anleger auf frisches Geld für die gebeutelte Wirtschaft via eines Konjunkturpakets. Doch die Verhandlungen des vielerorts heiß diskutierten Corona-Hilfspakets stocken. Hoffnung weht aber weiterhin im Hinblick auf einen Corona-Impfstoff und weitere Notenbanker-Schützenhilfe. Am Samstag wurden die Vakzinen des Mainzer Unternehmens BioNTech und des US-Pharmakonzerns Pfizer via Notfallgenehmigung zugelassen. Zudem steht zur Wochenmitte die US-Notenbanksitzung der Fed auf der Agenda. Kann die Rekordrally in der kommenden Woche erneut Fahrt aufnehmen?

DAX: Coronavirus- und Brexit-Sorgen schlagen aufs Gemüt

Europas Anleger sind am Freitag aus Furcht vor einem Lockdown und angesichts der Unsicherheit in puncto Brexit lieber auf Nummer sichergegangen und haben Kasse gemacht. Mit rund 30.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden wurde in dieser Woche ein neuer Rekordwert erreicht. Trotz der Aussicht auf den baldigen Startschuss zu einem Impfmarathon, bleibt die ungewisse Gemengelage rund um COVID-19 und damit nicht zuletzt die Furcht vor einer erneuten Abkühlung der Konjunktur zu präsent. Die Veröffentlichung der Daten der Einkaufsmanagerindizes für Europa zur Wochenmitte und das Ifo-Geschäftsklima am Freitag dürften die aktuell fragile Gemengelage Anlegern vor Augen führen.

Brexit: „Deal“ oder „No Deal“

Die politische Hängepartie im „Brexit“ könnte sich in erster Instanz am heutigen Sonntag entscheiden. Denn heute wollen die EU-Kommission und die britische Regierung eine Entscheidung fällen. Auch wenn die Übergangsfrist erst am Ende des Jahres ausläuft, wolle man offensichtlich nicht auf den letzten Drücker warten. Laut des britischen Premiers Boris Johnson sei ein „No Deal“ und damit ein Scheitern der Verhandlungen aber „sehr wahrscheinlich.“ Doch trotz des Scheiterns wäre eine Rückkehr an den Verhandlungstisch zwischen London und Brüssel aber weiterhin jederzeit denkbar. Die daraus resultierende Unsicherheit dürfte ein entscheidender Belastungsfaktor für die kommenden fünf Handelstage respektive bis zum Jahresende, darstellen. An Europas Börsen könnten sich im Falle eines “No-Deals” die Sorgen über die Brexit-Folgen und die Finanzstabilität überschlagen. Unter den Investoren sollten die Bedenken vor einem endgültigen Scheitern der Brexit-Verhandlungen weiterwachsen. Mit dem 1. Januar 2021 würde Großbritannien ohne Deal aus dem Binnenmarkt und der Zollunion ausscheiden.

Nach der EZB ist vor der FED

Das Abfeuern geldpolitischer Salven hat am Donnerstag nicht für den erhofften Stimmungsumschwung an den europäischen Handelsplätzen sorgen können. Das Notkaufprogramm der EZB für Staatsanleihen und Wertpapieren von Unternehmen (PEPP) wurde um 500 Milliarden Euro und damit auf 1,85 Billionen Euro ausgeweitet und die Laufzeit des Programms um drei Quartale auf März 2022 verlängert. An den Zinsen schraubte die EZB nicht. Diese blieben erwartungsgemäß bei dem Rekordtief von null Prozent. Oberstes Ziel des Währungshüters bleibt eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Im vergangenen Monat notierte die Inflationsrate in der Eurozone bei 0,3 Prozent.

Angesichts des fehlenden konventionellen Spielraums in den Leitzinssätzen haben die Notenbanker unter anderem erneut zum Anleihenkaufprogramm gegriffen. Nicht zuletzt die Inflationserwartung bietet für die EZB einen triftigen Grund an ihrer Geldpolitik festzuhalten und für eine längere Zeit Liquidität in die Aktienmärkte zu spülen.

Euro-Stärke lässt etwas nach

Die im Vorfeld heiß diskutierte Euro-Stärke ließ hingegen erst am Freitag etwas nach. Nach Aussagen des EZB-Rats Villeroy de Galhau sei man aus Sicht der Notenbank mit Blick auf den Eurokurs „sehr wachsam“, was einer verbalen Intervention nahekommt. Unternehmen, welche exportorientiert und zahlreich im DAX vertreten sind, können mit einer wieder sinkenden europäischen Gemeinschaftswährung wieder etwas aufatmen. Zuletzt notierte der Euro bei 1,2114 Dollar.

Fed ruft zur letzten Notenbanksitzung im Jahr 2020 auf

Der Appell durch die US-Fed an die Dringlichkeit des US-Konjunkturpakets könnte zur Wochenmitte erneut deutlich ausfallen. Frische Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen am Mittwoch dürfte die Notwendigkeit unterstreichen.

Fed-Chef Jerome Powell als auch der designierte US-Präsident Joe Biden drängen auf rasche Hilfe für die US-Amerikaner. Die Erwartungshaltung an die US-Notenbank Fed dürfte entsprechend hoch sein. Im Zuge des US-Wahlkampfes wurde das Corona-Hilfspaket aus den Augen verloren, auch weil sich Demokraten sowie Republikaner nicht einigten konnten. Gehandelt werde derzeit eine Kompromisslösung, welche ein Volumen von rund 900 Milliarden Dollar vorsieht.

Die Fed könnte angesichts der durch COVID-19 lädierten Wirtschaft zwar weiter unter die Arme greifen, aber nicht so deutlich wie die EZB. Sollte sich das Corona-Hilfspaket weiter verzögern, dürfte der Währungshüter nicht länger weiter untätig bleiben und möglicherweise beispielsweise das Staatsanleihenprogramm hochfahren. Der Griff in die Werkzeugkiste bleibt nur eine Frage der Zeit.

Ausblick: DAX im Klammergriff der Coronavirus- und Brexit Sorgen – US-Anleger hoffen auf US-Konjunkturpaket

Da mit dem Brexit ein Unsicherheitsfaktor zurück auf der Hauptbühne ist und das hochdynamische Infektionsgeschehen rund um COVID-19 Bund und Länder womöglich zu weiteren Restriktionen drängt, bleibt der Optimismus trotz weiterer Impfstoff-Erfolge in der kommenden Woche vorerst überschaubar. Von einer besinnlichen Weihnachtszeit kann demnach nicht wirklich die Rede sein. Während eine Hälfte der Anleger die Hoffnung auf eine Jahresendrallye noch nicht aufgegeben hat, könnte die andere Hälfte zweimal darüber nachdenken, ob die Bücher in diesem Jahr noch mal aufgeschlagen werden. 

Auf eine erhöhte Volatilität sollten sich Anleger hierzulande zudem am Freitag einstellen. An der Eurex könnte der große Verfallstag bei Aktienindex-Optionen und Futures für größere Ausschläge sorgen. Auf der Unternehmensseite bleibt es jedoch eher ruhig.

Für US-Anleger und nicht zuletzt auch für DAX-Investoren bleiben die Aussicht auf den großen Wurf im US-Hilfspaket und gleichzeitig auch die Fed-Sitzung am Mittwoch wichtige Schlüsselereignisse.


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