Der S&P 500 hat spektakuläre 1,5 Jahre hinter sich. Zunächst gab es ab 2019 eine beispiellose Rallye in welcher der Aktienmarkt ohne dramatische Rücksetzer bis Februar 2020 um ca. 40 % gestiegen ist. Die Corona-Gefahr war bereits Anfang 2020 am Köcheln, die Börse zeigte sich aber zunächst unbeeindruckt. Bis der Stecker gezogen wurde und der Markt in kürzester Zeit um 35 % gefallen ist. Doch damit nicht genug Spektakel, denn obwohl die Welt in einer Krise steckt, hat letztendlich die Gelddruckmaschine der Zentralbanken einen beispiellosen Bullenmarkt angetrieben und die Aktienindizes sind auf neue Allzeithochs gestiegen. Doch geht es nun immer so weiter oder droht die Blase zu platzen? Wir möchten euch in diesem Artikel einige Anzeichen potenziell schwankender Märkte zeigen und einige Tipps geben, wie man durch diese Marktphasen steuern kann.

Die Volatilität im Auge behalten

Ein noch lauteres Warnzeichen für eine eventuelle Korrektur zeigt uns aber die Volatilität. Als Metrik für die Volatilität verwenden wir den VIX-Index, ein künstlicher Index des Chicago-Board-of-Trading (CBOT), der die implizite Volatilität der S&P 500 Optionen der nächsten 30 Tage ausdrückt. Ist die Volatilität niedrig (Faustformel VIX unter 20), ist der Markt weitgehend sorglos. Ist der VIX hingegen hoch (VIX > 20 und mehr) steigt die Markterwartung stärker schwankender Kurse deutlich an.

Die Entwicklung des VIX läuft normalerweise invers zum Aktienmarkt: Steigen die Aktienkurse, sinkt in der Regel die Volatilität. Die meisten Marktteilnehmer halten ihre Aktien long und sichern sich während Kursrückgängen ab – die Volatilität steigt also in Kursrückgängen. Steigen die Aktienmärkte, sinkt der Bedarf nach Absicherung und dementsprechend fällt der VIX.

Aktuell haben wir aber eine besondere Situation: Die Märkte steigen stark an und gleichzeitig steigt auch die Volatilität. Normalerweise gilt der August als schwacher Börsenmonat. Aber nicht 2020, denn hier stiegen die Märkte um ca. 10 % an. Gleichzeitig hat Mitte August die Volatilität einen Boden gefunden und ist seitdem um über 27 % gestiegen, die Aktienmärkte haben im gleichen Zeitraum über 7 % zugelegt.

Dieser gleichzeitige Anstieg ist sehr ungewöhnlich und deutet darauf hin, dass die schlauen und großen Marktteilnehmer hier mehr wissen als es die Oberfläche verrät und hier in der nahen Zukunft größere Schwankungen erwarten. Natürlich haben wir im November 2020 auch die US-Präsidentschaftswahl, diese allein rechtfertigt diesen frühen Anstieg in der Volatilität aber noch nicht.

Mehr zu diesem Zusammenhang und viele Beispiele findet ihr in unserem Blogbeitrag „Volatilitätsanstieg bei steigendem S&P 500

Außerdem erfahrt ihr weitere Anzeichen für eine mögliche Korrektur in diesem YouTube-Video von uns zusammengefasst: https://youtu.be/1FbpGBO1Jy0

So kann man sich schützen

Wie kann man sich nun vor eventuell fallenden Kursen schützen? Die einfachste Möglichkeit wäre das Aktienportfolio zu verkaufen, das machen wir aber nicht. Denn Phasen von Gier können sehr lange dauern und wir wären auch nicht völlig verwundert, wenn wir den S&P 500 an Weihnachten bei 4.000 Punkten sehen.

nsere Absicherungsstrategie ist vielmehr eine Kombination aus einem extrem robusten und volatilitätsarmen Aktienportfolio und Hedging-Strategien mit Optionen. Ein erster Anhaltspunkt für „sichere“ bzw. volatilitätsarme aber trotzdem renditestarke Investments sind beispielsweise die nicht-zyklischen Aktien. Dazu gehören Unternehmen, deren Kerngeschäft Lebensmittel, Medikamente oder Hygieneartikel sind. Denn egal welche Krise es in dieser Welt gibt, diese Produkte werden immer nachgefragt. Eine ausführliche Analyse zu diesem Sektor haben wir auf www.inside-markets.com zur Verfügung gestellt.

Zum Thema Absicherung setzen wir vor allem auf Long-Optionen. Normalerweise verkaufen wir ausschließlich Optionen, zur Absicherung von Aktienportfolios sind aber gekaufte Optionen sehr interessant. Ist die Volatilität auf einem niedrigen Niveau, sind diese Optionen sehr günstig. Sollten aber die Märkte in kurzer Zeit stark fallen, steigt die Volatilität und das Delta dieser Optionen an und der Anleger wird für sein (geringes) Risiko überproportional belohnt. Den Effekt dieser „Tail-Risk“ Hedging-Strategien nutzen auch bekannte Fondmanager wie Mark Spitznagel, dessen Fond im März 2020 um unglaubliche 4.000 % zulegen konnte.

Diese Erwartung haben wir nicht an unsere Absicherungsstrategie, sie soll lediglich einen Teil potenzieller Kursrückgänge schützen. Man muss auch dazu sagen, dass solche Strategien einen extrem langen Atem benötigen und viele Jahre ein Minus-Geschäft sind. Daher muss man so einen Hedge wie eine Versicherung betrachten: Man bezahlt sie für den Fall der Fälle, am liebsten soll sie aber gar nicht ihre Wirkung zeigen, ähnlich wie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Im Fall der Long-Optionen auf Einzelaktien, den Index oder den S&P 500 Future wäre aber der potentielle Ertrag weitaus höher als bei einer Unfallversicherung.

Fazit

Aktuell wird am Markt geklingelt, ob es tatsächlich zu einem Einbruch der Aktienmärkte kommen muss, weiß jedoch niemand. Allerdings sollte sich jeder Anleger fragen, wie realistisch er eine 1:1 Fortsetzung dieser Rallye hält und die Chance nutzen, sein Depot auf Herz und Nieren zu untersuchen. Eventuell ist es Zeit, die ein oder andere volatile Aktie gegen einen (langweiligen) nicht-zyklischen Titel auszutauschen? Handelt man sein Depot auf Hebel oder mit einer überproportional hohen Zahl von Cash-Secured-Puts (die dann nicht mehr Cash-Secured sind…), ergibt es Sinn, das Risiko in der derzeitigen Marktphase deutlich zu reduzieren. Und die ein oder andere Long-Option als zusätzliche Depot-Absicherung schadet keinem Aktienportfolio.