…von John F. Carter ist ein Buch, das bereits vom Layout her die ersten Leute abschrecken könnte, denn es ist auf sehr großen Seiten sehr klein geschrieben und will wirklich aufmerksam gelesen werden. Nichts für jedermann, dessen bin ich mir bewusst. Und so ist es auch auf das Thema übertragbar. Swing- und Daytrading sind zwei Formen des Tradings, die viel Mut, Arbeit und vor allem Glück voraussetzen, um es über einen längeren Zeitraum erfolgreich durchführen zu können.

So beginnt der Autor sein Buch auch mit dem Satz: „Dieses Buch ist all jenen gewidmet, die sich mutig der Aufgabe stellen, ein professioneller Trader zu werden.“ Leider sieht dieses Bild in der Realität sehr häufig nicht so rosig aus, sondern endet viel häufiger in einem Fiasko.

Den ersten Teil leitet er dann mit einer schönen Anekdote vom Rafting ein, die ihn einiges über das Trading lehrte. Denn Swing- und Daytrading sind zwei Ansätze, die darauf abzielen, die Volatilität des Marktes bzw. einzelner Wertpapiere auszunutzen. So versucht der Trader in diesen Fällen die Schwingungen nach oben und unten auszunutzen und zu meistern, ähnlich einem Rafting-Team in ihrem Boot auf dem Weg durchs wilde Wasser.

An dieser Stelle muss ich auch meinem großen Kritikpunkt an diesem Buch platzieren. Denn die Sprache, mit der dieses Buch geschrieben wurde, muss man wirklich mögen oder aber einfach ignorieren. Man kann sie als teilweise martialisch, überheblich und beleidigend bezeichnen. Wenn man dies außen vorlässt, dann bietet der Autor einem ein wirklich umfangreiches Sammelsurium an Trading-Strategien in beiden Bereichen, die den eigentlichen Mehrwert dieses Buches ausmachen.

Für meinen Geschmack wird das Leben eines Traders allerdings zu stark glorifiziert und mit Aussagen wie „Der einzige Weg, ein professioneller Trader zu werden, besteht darin, diejenigen Fähigkeiten abzurufen, die einen vom Rest der Schafherde unterscheiden.“, die Gier und der Übermut befeuert. Ich betrachte das so kritisch, weil ein Trader sich in einem Arbeitsumfeld befindet, in dem ein solch emotionales Verhalten in der Regel zu finanziell ungünstigen Szenarien führt.

So kommt das Thema Psychologie anschließend auch nicht zu kurz, bevor der Autor dann auf das vielleicht viel interessantere Thema Hard- und Software überschwenkt. Jeder aktive Trader wird hier beinahe endlos stöbern können und mit Sicherheit auf seine Kosten kommen.

Wenn man nun über die von mir bemängelten literarischen Fähigkeiten des Autors hinwegsehen kann, dann wird man insbesondere in den hinteren Kapiteln etliche doch sehr interessante Denkanstöße finden. So beispielsweise die teilweise unglaublich hohen Transaktionskosten in manchen Märkten oder bei einigen Brokern, die dazu führen, dass ein Trade selbst dann unrentabel werden kann, wenn man eigentlich goldrichtig lag. Die deutlich formulierte Tatsache, dass Trading mit Sicherheit nicht zum Aufbau der persönlichen Altersvorsorge dient. Und darüber hinaus unzählige spezielle Intraday- und Swing-Setups wie Pivot-Points, Tick Fades etc. auf die sehr ausführlich und mit vielen Schaubildern eingegangen wird, um die wesentlichen Charakteristika zu besprechen.

Im letzten Teil des Buches gibt es dann noch allerhand Rüstzeug für das tägliche Trading in der Praxis. Von Checklisten über die Konzeption und den Aufbau von Strategien, sowie das kanalisieren und eliminieren von Emotionen. Eben alles, was ein professioneller Trader benötigt.

Wer sich an der Ausdrucksweise des Autors nicht stört, vollkommen von der Idee des Tradings überzeugt ist und ein paar neue Impulse hinsichtlich Märkte, Strategien, Setups und dergleichen sucht, der fährt mit diesem Buch wirklich gut.